Neulich beim Elternabend fragte jemand, ob Schlüsselwörter noch wichtig seien. Ihr Sohn hatte gelesen, dass Google mittlerweile „alles versteht" und Keywords veraltet seien. Halb richtig, halb gefährlich falsch.
Google ist besser geworden, keine Frage. Die Suchmaschine erkennt Synonyme und versteht Kontext. Aber sie ist kein Gedankenleser. Wenn Ihr Kind eine Bildungswebsite über Photosynthese erstellt und das Wort nirgendwo verwendet, wird Google die Seite nicht magisch mit diesem Thema verbinden.
Vorher machten viele Schüler diesen Fehler: Sie schrieben interessante Texte über „wie Pflanzen Sonnenlicht in Energie umwandeln", aber vermieden das Wort Photosynthese, weil es zu wissenschaftlich klang. Oder sie nutzten es nur einmal, versteckt im dritten Absatz. Die Seiten bekamen Besucher über direkte Links, aber niemand fand sie über Suchmaschinen.
Warum? Weil Menschen bei Google nicht eingeben „wie wandeln Pflanzen Sonnenlicht in Energie um". Sie tippen „Photosynthese" oder „Photosynthese einfach erklärt". Wenn diese Wörter auf der Seite fehlen, ist sie für Google unsichtbar.
Nachher sieht das besser aus: Die Überschrift enthält das Hauptwort. Der erste Absatz auch. Zwischenüberschriften greifen es natürlich auf. Nicht mechanisch wiederholt, sondern dort, wo es hingehört.
Ein Schüler aus dem Gymnasium hat das bei seinem Projekt über erneuerbare Energien ausprobiert. Vorher: 12 Besucher pro Woche, alle aus seinem Klassenchat. Nachher: 89 Besucher pro Woche, viele davon aus organischen Suchanfragen. Er hatte einfach klargemacht, worum es geht.
Das ist keine Manipulation. Es ist Kommunikation. Stellen Sie sich vor, Ihr Kind schreibt einen Aufsatz über den Zweiten Weltkrieg, erwähnt aber nie diese Begriffe direkt. Der Lehrer wäre verwirrt. Google geht es genauso.
Die Balance ist wichtig. Niemand will einen Text lesen, der wie ein Roboter klingt: „Photosynthese ist wichtig. Die Photosynthese macht Sauerstoff. Ohne Photosynthese gäbe es kein Leben." Das ist schrecklich und hilft nicht.
Stattdessen: Schreiben Sie normal, aber bewusst. Verwenden Sie die Fachbegriffe, die Menschen tatsächlich suchen würden. Nicht verstecken, nicht übertreiben. Einfach klar sein.
Ich sage Eltern immer: Lassen Sie Ihr Kind die Seite vorlesen. Klingt es natürlich? Gut. Sind die wichtigsten Begriffe mehrmals gefallen? Auch gut. Würde jemand, der nach genau diesem Thema sucht, die richtigen Wörter finden? Dann passt es.
Keywords sind nicht tot. Sie sind nur nicht mehr die einzige Sache, die zählt. Aber sie bleiben das Fundament. Ohne sie baut man ein Haus ohne Adresse.